Buchpremiere von „Hotel Hades“

Gepostet am Sep 12, 2014 in Interview, Künstler | Keine Kommentare
Buchpremiere von „Hotel Hades“

Liebe Katharina, deine Graphic Novel „Hotel Hades“ ist gerade neu erschienen. Wie fühlst du dich jetzt?
Es ist jedes Mal toll, ein fertiges Buch in den Händen zu halten! Da sind die durchgearbeiteten Nächte schnell vergessen. Die Augenringe gehen zwar nicht mehr ganz weg – aber das ist es wert.

Letzten Freitag war in Berlin die Buchpremiere von „Hotel Hades“. Was erwartet einen Leser, der zu einer Katharina Greve Comic-Lesung kommt?
Es gibt eine Menge Bilder zu sehen und ich lese Auszüge aus der Geschichte mit verteilten Rollen. Ich habe schon oft Cartoons und Teile meiner Comic-Romane vorgelesen, es war also keine Total-Premiere in Sachen Lesung für mich. Bei dieser Geschichte ist aber die Herausforderung, dass es wirklich viele Personen gibt, denen ich unterscheidbare Stimmen geben muss. Nicht leicht, klappt aber.
Ach, und ich liebe es, Sound-Wörter vorzulesen! Bei dieser Geschichte bekommt der Begriff „Onomatopoesie“, also die sprachliche Nachahmung von Geräuschen, einen neuen Sinn: einige Geräusche reimen sich. Im Tartaros heißt es zum Beispiel: „Quietsch, Nein, Ahhh, Klonk – Krrrr, Ahrgg, Ratter, Zonk“.

Buchpremiere Hotel Hades

Fotos: Marcus Müller

Wie kamst du auf die aberwitzige Idee mit „Hotel Hades“?
Als Kind habe ich griechische Sagen verschlungen. In meiner Teenager-Zeit kam Jean-Paul Sartre dazu, vor allem „Das Spiel ist aus“ und „Geschlossene Gesellschaft“, die verschiedene Szenarien eines Lebens nach dem Tode entwerfen. Ich fand den Tod und die vielfältigen Vorstellungen, die sich um ihn ranken, immer faszinierend. Weil der Tod so schwer zu verstehen ist, projiziert man gerne Bekanntes: Da gibt es ewige Festgelage für die Helden im nordischen Walhall oder in der altägyptischen Mythologie Gerstenfelder, die von den Toten bewirtschaftet werden. Auch für mein Architekturdiplom habe ich das Thema Tod gewählt und ein Urnenhaus entworfen. Der letzte Tropfen war dann eine Reportage über deutsche Dauerurlauber. Da war mein erster Gedanke: „Das ist die Hölle – für alle Beteiligten!“ Darum erinnert die Asphodelos-Ebene im Hades, auf der alle Durchschnittsmenschen landen, an billige Bettenburgen mit tristen Speisesälen.

Buchpremiere "Hotet Hades"

Fotos: Marcus Müller

Besonders lustig fand ich auch das Plateau über den Wolken, mit dem Bereich D „Oktoberfest“. Da kam deutlich die Architektin in dir zum Vorschein, oder?
Ja, für den Entwurf der Plattformen, auf denen sich das Elysion befindet, war das Architekturstudium wirklich hilfreich – aber auch für den gesamten Rest des Jenseits. Ich habe lange über den Städtebau gegrübelt und wie sich der Hades in den letzten Jahrtausenden entwickelt hat. Für die Hafenanlage habe ich berechnet, wie viele Menschen auf welchem Kontinent in welchem Zeitraum sterben und in den Hades einreisen. Die Reederei Charon befördert per Fähre stündlBuchpremiere "Hotet Hades"ich circa 6.500 Tote, die dann am Einreiseterminal abgefertigt und an die verschiedenen Bestimmungsorte transportiert werden müssen. Dieser Einreiseterminal wurde übrigens in den 50er-Jahren gebaut, von einem nicht sehr ambitionierten Architekten. Ergebnis ist ein unpraktisches Gebäude, gefliest mit typischen Fliesenformen, wie man sie hier im Diesseits an Häusern und in U-Bahnhöfen aus dieser Zeit findet. Auch die anderen Häuser im Hades, die in den letzten Jahrzehnten gebaut wurden, sind unglaublich langweilig und uninspiriert – natürlich bis auf die Plateaus über den Wolken, auf denen alles quietschbunt und ausgelassen ist. Der Tartaros, der Ort der ewigen Qualen für die Sünder, wurde unter die Erde verlegt, um Platz zu sparen.
Aber was speziell das Oktoberfest angeht: Für mich als gebürtige Hamburgerin ist das ungefähr der dritte Kreis der Hölle.

Für alle die es verpasst haben, kann man Katharina Greve nochmal bei einer Lesung erleben?
Am 14.9. um 11 Uhr bin ich Gast bei einer Podiumsdiskussion beim Internationalen Literaturfestival in Berlin. Bei der Buchmesse in Frankfurt lese ich zwar nicht, signiere aber am 10.10. von 11 bis 12 Uhr in der Halle 3.0. Die nächsten Lesungen gibt es am 27.11. um 17 Uhr in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek in Berlin-Steglitz und im Januar beim Comic-Festival „BOOM!“ in Kassel.

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