Die Adaption der Windmühlen – Rob Davis im Interview

Gepostet am Apr 7, 2015 in Interview, Künstler | Keine Kommentare
Die Adaption der Windmühlen – Rob Davis im Interview

Don Quixote“ ist ein Klassiker der Weltliteratur. Der britische Künstler Rob Davis hat daraus einen Comic gemacht. Wir haben uns mit ihm über Literaturadaptionen im Comic unterhalten und über die Frage, wie man Cervantes’ Vision in die Gegenwart transportieren kann.

Davis_RobDu bist Brite, hast dir das Nationalbuch Spaniens genommen und einen Comic daraus gemacht. Wie kam’s dazu? Gehört es zu deinen Lieblingsbüchern?

Es ist das Nationalbuch Spaniens, aber es ist auch eines der größten Werke der Weltliteratur. Seine Themen sind universell, sein Humor und seine Menschlichkeit sind universell. Dieses Buch hat mich fasziniert, verwirrt, viele Male umgehauen und schließlich mitgenommen. Don Quixote hat viele Leserschaften überdauert und das wird auch so weitergehen, solange er gelesen wird. Ich hatte mir vorgenommen, dafür zu sorgen, dass Leute, die ihn vielleicht nie gelesen hätten, die Möglichkeit dazu bekommen, und dass ihn Leute, die ihn schon gelesen haben, mit neuen Augen sehen können.

Don Quixote ist ein ziemlich dicker Wälzer, viele Seiten und jede Menge Inhalt. Wie lief der Prozess ab, ihn in einen Comic zu adaptieren?

Ich glaube, eine Adaption ist eine eigene Lesart eines Werkes und ich glaube auch, es ist wichtig, dass eine Adaption wie ein eigenständiges Werk wirkt. Ich werde oft gefragt, ob mein Quixote dem Original „treu“ sei. Es wäre ein Verrat an Cervantes gewesen, wenn ich sein Buch sklavisch Wort für Wort übertragen hätte oder das Original aus ehrfürchtigem Respekt wie ein Denkmal behandelt hätte, das man bewundert, aber verstauben lässt. Ich wollte das Buch für eine neue Leserschaft lebendig machen, und dazu musste ich zwei Neuerungen einbringen.
Ich wollte das Buch nicht um der Abwandlung willen abwandeln; ich wollte es für den Leser zu einem Erlebnis machen, wie es die damaligen Leser erlebt haben mochten. Eine dieser Veränderungen war die Verwendung einer altertümlich klingenden Sprache für Don Quixote, während ich die aller anderen Figuren modernisiert habe. So könnte den damaligen Lesern Quixotes belesene Sprache vorgekommen sein, sie sorgt für einen scharfen Kontrast zwischen ihm und allen um ihn herum. Wenn wir das Buch heute lesen, wird dieser Kontrast nicht so deutlich. Ich habe versucht, ihn stärker hervorzuheben.

DonQuixoteDon Quixote wurde schon oft adaptiert. Wurdest du von irgendeiner der früheren Umsetzungen beeinflusst?

Eigentlich nicht. Ich kenne die Versuche von Orson Welles und Terry Gilliam, das Buch zu verfilmen, und beide entschieden sich dafür, der Geschichte einen modernen Charakter zu geben oder sie ins moderne Amerika zu verlegen. Wie ich vorhin schon sagte, wollte ich den Leser das Buch originalgetreu erleben lassen. Am Anfang habe ich mir viele visuelle Auslegungen von Don Quixote angesehen und sicherlich haben viele davon meine Herangehensweise unbewusst beeinflusst. Die Zeichnung von Picasso, die wunderbaren Arbeiten von Gus Bofa und auch die berühmten Versionen von Doré und Daumier flossen alle mit ein. Letztendlich wusste ich aber, dass ich mir für meine Version eine rustikale, angerostete und abgewetzte Optik wünschte. Es sollte nicht zu sauber aussehen. Außerdem experimentierte ich mit den Farbpaletten, um unterschiedliche Stimmungen zu erzeugen, die dabei helfen, zwischen den Geschichten innerhalb der Geschichte hin und her und zurück zur Haupthandlung zu wechseln. Das Original platzt schier vor Experimentierfreude und Metaerzählungen, daher musste ich das in die Bilder einbringen, um Cervantes’ Vision gerecht zu werden.

Was kann der heutige Leser aus Don Quixote lernen?

Don Quixote ist der erste moderne Roman, vielleicht sogar der erste Roman überhaupt; er ist postmodern und das 300 Jahre vor der Moderne. Seine Dekonstruktion des Helden, der Männlichkeit und der Liebe ist unübertroffen. Seine Darstellung der Freundschaft zwischen Don Quixote und Sancho Pansa wurde auch noch nicht überboten. Man muss mit den beiden so stark lachen, dass es wehtut, und so heftig weinen, dass es glücklich macht. Es ist niemals die Sache des Autors, dem Leser zu sagen, was er aus einem Buch mitnehmen soll, aber Don Quixote bietet eine wahre Fülle an Erfahrung. Ich habe meine eigenen Herzensangelegenheiten und inneren Konflikte in Cervantes’ Flickwerk miteingewoben, und jeder Leser wird darin auch seine eigenen finden.

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Dein neuer Comic („The Motherless Oven“) ist etwas völlig anderes und nur schwerlich mit Don Quixote zu vergleichen. Wechselst du zwischen den Genres? Was dürfen wir als Nächstes erwarten?

Mir gefiel immer, wie Stanley Kubrick von einem Genre zum nächsten wechselte, ohne sich dabei je zu wiederholen. Natürlich habe ich Pläne für sehr unterschiedliche zukünftige Comics. „The Motherless Oven“ ist, glaube ich, sowieso erst mal unvergleichbar. Ich weiß gar nicht, welchem Genre er zuzuordnen ist, falls überhaupt irgendeinem. Natürlich schwebte mir eine einzigartige Vision vor. Nichtsdestotrotz ist es nur der erste Teil einer Trilogie, mit der die vollständige Geschichte erzählt wird. Es folgen noch zwei weitere Teile. Wenn alles läuft wie geplant, sind die es, um die ich mich als Nächstes kümmern werde.

Warst du schon mal in Deutschland?

Nein. Ich kann’s kaum erwarten.

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