Interview mit Alfonso Zapico zur Graphic Novel über James Joyce

Gepostet am Jul 22, 2014 in Interview, Künstler | Keine Kommentare
Interview mit Alfonso Zapico zur Graphic Novel über James Joyce

James Joyce hatte eine sehr komplexe Persönlichkeit mit vielen verschiedenen Charakterzügen. Wie wolltest du James Joyce darstellen?
Ich habe versucht, das Buch sehr realistisch zu machen. Ich denke, das Geheimnis liegt in der Persönlichkeit von James Joyce. Er ist ungewöhnlich, lustig und sehr speziell. Ich habe versucht, das Buch sehr detailliert zu machen mit vielen Konversationen, Problemen und mit vielen lustigen Momenten. Es ist also das realistische Leben eines Schriftstellers. Die Graphic Novel soll sein ganzes Leben zeigen, angefangen mit seiner Geburt, seinen Reisen, aber auch die Veränderungen in Europa, die damals stattgefunden haben. Das Buch endet mit seinem Tod. Dieses Ende ist aber der Anfang der Legende James Joyce sowie auch seines Buches Ulysses.

Hast du Bücher von James Joyce für die Recherche gelesen, wie z.B. Ulysses? Oder war das Recherchieren über die Person James Joyce aufwendig genug? Richard Ellmann hat eine sehr detaillierte Biografie über James Joyce geschrieben, die ich sehr intensiv studiert habe. Ich habe versucht, diese Informationen in Zeichnungen umzusetzen. Ich habe Ulysses schon vor längerer Zeit gelesen, ganz unabhängig von der Recherche über James Joyce. Einige Teile des Buches haben mir sehr gut gefallen, andere wiederum habe ich nicht verstanden. Als ich dann das Buch für die Recherche zum zweiten Mal gelesen habe, entwickelte ich eine neue Perspektive. Ich habe den Sinn und das Wesen des Buches besser verstanden. Es gibt für mich nicht eine Betrachtungsweise oder Auffassung von Ulysses. Es gibt unzählige Blickwinkel auf dieses Buch.
 

Was war die größte Herausforderung für dich, als du dieses Buch gemacht hast?
Ich habe für die Recherche die gleichen Reisen gemacht wie James Joyce. Ich habe das meistens sehr genossen, es war aber auch anstrengend. Trotzdem war diese Zeit sehr aufregend: die Gespräche mit verschiedenen Leuten, zu sehen, wo James Joyce überall war, was er gemacht hat und wie er gelebt hat. Ich habe James Joyce jedoch oft nicht verstanden. Er war als Mensch sehr kompliziert. Immer dann, wenn ich Schwierigkeiten hatte ihn zu verstehen und seine Handlungsweise nachzuvollziehen, hatte ich auch Schwierigkeiten mit dem Zeichnen.

Wenn James Joyce heute noch leben würde, würdest du mit ihm befreundet sein wollen?
Nein, auf gar keinen Fall. Ehrlich gesagt, mag ich ihn nicht besonders. Er war ein großartiger Schriftsteller und er hat viel für die Literatur getan, aber gleichzeitig war er ein sehr schlechter Freund und Ehemann, und oft war er auch ein schlechter Vater. Man kann eine Person als Künstler sehr bewundern, ohne den Menschen hinter dieser Kunst zu mögen.

Wenn du noch eine Biografie machen würdest, wen würdest du nehmen?

Ich möchte eigentlich keine weitere Biografie über einen Schriftsteller machen, da ich meine Arbeit und meinen Stil nicht auf diese Nische beschränken möchte. Weißt du, James Joyce ist nicht mein Lieblingsautor und Ulysses ist auch nicht mein Lieblingsbuch, und manchmal verstehe ich selbst nicht ganz, wieso ich mich für ihn entschieden habe. Aber das Projekt James Joyce war ein Abenteuer. Ich kam durch meine Reisen dem Leben und dem abenteuerlichen Leben von James Joyce sehr nah. Das war aufregend und lehrreich für mich. Aber ich würde gern ein Buch über den Schriftsteller Albert Camus machen. Er ist mein Lieblingsschriftsteller und hat mich sehr beeinflusst.

Du hast mehr als drei Jahre intensiv an dieser Graphic Novel gearbeitet. Was machst du aktuell?

Ich arbeite an einigen Projekten, auch an einem, das schon sehr lange existiert. Manchmal stoppe ich meine langen Projekte, um andere Dinge zu machen, wie Illustrationen. Ich habe vor zwei Jahren ein neues Projekt angefangen. Es geht dabei um die Geschichte über den Norden Spaniens, zwei Jahre vor dem Bürgerkrieg. Diese politische Geschichte handelt von einem Kampf, genauer gesagt, einer Rebellion der Arbeiter, die damals in den Mienen gearbeitet haben. Diese Thematik ist nicht sehr bekannt, aber ich denke, ich kann versuchen, daraus eine interessante Geschichte zu machen.

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