Interview mit Koren Shadmi

Gepostet am Jul 25, 2016 in Interview, Künstler | Keine Kommentare
Interview mit Koren Shadmi

Koren Shadmi im Gespräch

Shadmi_KorenWelche Teile von Love Addict sind von Ihrem eigenen Leben inspiriert?

Eine ganze Menge davon ist wirklich passiert! Welche Szenen genau, will ich nicht verraten, das kann sich der Leser selber ausdenken. Aber ich würde sagen, circa 70 Prozent der Handlung sind wirklich passiert. Ein paar Situationen habe ich in einem Date miteinander verschmolzen. Ein oder zwei Dates sind tatsächlich genau so passiert, noch bevor ich Kontakt mit Dating-Seiten hatte.

Was können Sie mir über den Entstehungsprozess von Love Addict erzählen?

Ich habe etwa eineinhalb Jahre an Love Addict gearbeitet. Nebenbei hatte ich auch noch andere Projekte. Ich habe beim Zeichnen des Buches eine neue Methode ausprobiert. Ich habe die Umrisse blau gezeichnet und dann mit Bleistift überarbeitet. Später habe ich dann am Computer die blauen Linien entfernt. Dadurch entsteht ein warmes und lebendiges Lesegefühl.

Im Buch heißt die Dating-Website Lovebug. Wie kamen Sie auf diesen Namen?

Die Seite in Love Addict basiert auf einer Dating-Seite namens „OK Cupid“ – was einfach ein unfassbar blöder Name ist. Als ich an Love Addict arbeitete, kannte jeder diese Seite. Mittlerweile ist sie fast vergessen, weil jeder Tinder benutzt. Ich wollte mit Lovebug einfach einen ähnlich dummen Namen für eine Dating-Seite kreieren.

Was für Erfahrung haben Sie mit Dating-Seiten gemacht?

Ich würde sagen, dass Dating-Seiten überwiegend so aufgebaut sind, dass man sie immer weiter benutzt, wie eine Droge. Die Anwendung ist so einfach und simpel, dass es keinen Grund gibt, damit aufzuhören. Außerdem unterstützen diese Seiten Menschen, sich zu entmenschlichen und zu kommerzialisieren. Aber es gibt auch tolle Dinge an Dating-Seiten, sie sind zum Beispiel fantastisch für schüchterne Menschen wie mich. Ich bin nur ein wenig besorgt, wohin das Ganze führen wird.

5524_EGN_01_LOVE_ADDICT_C30Es gibt männliche Leser, die der Ansicht sind, dass Love Addict Männer in ein falsches Licht rücken würde und K. genauso gut eine Frau sein könnte. Dann würde man Love Addict aber für unglaubwürdig halten. Wie stehen Sie dazu?

Jeder hat seine eigenen Erfahrungen, und Love Addict ist sehr nah an dem dran, was ich erlebt habe – natürlich mit der einen oder anderen Übertreibung. Ich war überrascht, wie die Regeln von Flirten, Dating und Sex einfach neu geschrieben wurden. Ich wollte auch die dunkle Seite von all dem zeigen. Wie es zu einer Sucht werden kann. In einer großen Stadt wie New York kann man quasi immer weitermachen, und es gibt auch Menschen, die das tun. Natürlich gibt es auch vereinzelt Männer, die sich wie ein Gentleman verhalten, immer nur ein einziges Mädchen treffen und nur diesem Mädchen schreiben. In der Realität ist es jedoch so, dass die meisten Männer (und Frauen) viele Kontakte und Dates gleichzeitig managen. Außerdem werden mittlerweile immer mehr Geschlechtergrenzen überschritten. Es gab Zeiten, da merkte ich, wie ich von einer Frau abgeschleppt wurde. Das Geschlecht spielt nicht mehr so eine große Rolle in diesem „Dating Game“.

K. nimmt eines seiner Dates mit zu einer Ausstellung über Robert Crumb, und Ihre Zeichnungen scheinen von Crumb inspiriert zu sein. Was genau begeistert Sie an ihm?

Zuallererst er ist ein meisterhafter Zeichner. Er kopiert in seinen Zeichnungen nicht einfach die Realität, er gibt ihnen eine ganz eigene Seele. Außerdem ist da noch eine ganz andere Ehrlichkeit in seinen Comics. Er hat keine Angst, seine tiefsten perversen Gedanken zu schildern. Es ist so viel gestellt und gespielt in unserer Gesellschaft, da ist es wirklich erfrischend, wenn jemand einfach ohne Furcht das Gegenteil tut.

Während das Buch fertig für den Druck gemacht wurde, schickten wir Crumb die Seiten und baten um seine Erlaubnis, es so drucken zu dürfen. Er sagte, ich dürfe seine Werke in mein Buch integrieren, dass es kein Problem sei, und er wirklich gern mein Buch lesen würde. Ich habe seitdem nichts mehr von ihm gehört, doch ich hoffe, dass er die Hommage zu schätzen weiß.

Das Interview führte Milena von Häfen.

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