Interview mit Olivia Vieweg

Gepostet am Feb 20, 2012 in Interview, Künstler | Keine Kommentare
Interview mit Olivia Vieweg

Olivia Vieweg erzählt uns von ihrer aktuellen Graphic Novel ‚Antoinette kehrt zurück‚ und was man als vielseitiges Talent so alles macht.

 2012 waren Sie die Gewinnerin des Comic-Stipendiums von Egmont und 2014 sitzen Sie in der Jury. Was hat sich in den letzten zwei Jahren bei Ihnen getan?
Einiges! Bei Suhrkamp ist 2013 meine große Graphic Novel “Huck Finn” erschienen und ziemlich gut bei der Presse angekommen. (Die WELT hat es sogar zum Comic des Jahres 2013 ernannt, das war natürlich ein super Gefühl!) Ende 2012 ist auch unser Sohn zur Welt gekommen, sodass ich alle Hände voll zu tun habe. Außerdem haben sich noch die Möglichkeiten für neue Projekte aufgetan, da kann ich aber erst was zu sagen, wenn es konkreter wird. Sorry! 😉

AntoinetteDas Thema des Comicstipendiums 2012 war ‚Heimat‘. In ihrem aktuellen Buch ‚Antoinette kehrt zurück‘ verbinden Sie das Thema Heimat mit dem Thema Mobbing. Wie stehen Sie persönlich zu diesen Themen?
Mobbing ist für mich ein großes Thema! Da wirken gewaltige Energien, die die Menschen für ihr ganzes Leben lang formen und verändern können. Mich beschäftigt das schon lange, obwohl ich selber nie wirklich ein Opfer war. Es ist doch erstaunlich, wie einfach man jemanden vernichten kann, nur weil man ihn nicht mitspielen lässt oder sich über seine Familie lustig macht. Jeder bietet irgendeine Angriffsfläche und irgendjemand kann diese immer missbrauchen. Die Rückkehr in die Heimat bei Antoinette passte für mich da gut ins Konzept, weil fast jeder das Gefühl kennt an einen Ort der Kindheit als Erwachsener zurückzukehren und zu spüren wie aufgeladen jedes Detail dieses Ortes ist. Welche intensive Erinnerungen damit verknüpft sind. Antoinette in meiner Geschichte war sehr lange nicht mehr in ihrem Geburtsort, umso stärker das befremdliche Gefühl. Für mich selbst ist Heimat etwas wichtiges, aber ich würde es an keinem speziellen Ort festmachen – um Herbert Grönemeyer zu zitieren: Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.

Sie arbeiten ja meistens an mehreren Projekten gleichzeitig. Liegt Ihnen ein Projekt besonders am Herzen?
Die Projekte mit der meisten Verantwortung liegen mir besonders am Herzen. Ich mache neben meinen Arbeiten an Comics ja viele andere Dinge, teilweise muss ich „nur“ grafische Tätigkeiten für einen Auftraggeber ausführen, da ist mir ein großer Teil der Verantwortung genommen – was auch manchmal schön ist. Während ich bei meinen Comics jeden einzelnen Strich selber entscheiden muss, jedes Wort, jedes Gesicht. Das sind dann schon meine Herzensprojekte.

Sie haben die Texte der deutschen Folk-Metall-Rockband „Subway to Sally“ in Bildgeschichten umgesetzt? Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Ich war schon lange Fan der Band und bin es immer noch! Ich habe dann gemerkt, dass viele Zeichner Lust haben die Texte in Bilder umzusetzen. Vor allem, weil die Band wenig Musikvideos zu ihren Songs produziert. Somit waren diese starken „Bilder“ in den Texten noch nie verarbeitet worden. In Rücksprache mit Bodenski, dem Texter der Band, haben wir dann das Projekt „Subway to Sally Storybook“ begonnen und die Zeichner waren alle total scharf auf die Mitarbeit an diesem Buch. Es war auch ein voller Erfolg, vor allem, weil wir Leute für den Comic begeistern konnten, die sonst nicht so ohne weiteres zu „Bildergeschichten“ greifen würden. Das wünscht man sich ja oft.

Lesen Sie in Ihrer Freizeit selbst Comics oder Graphic Novels?
Ja! Sehr viel sogar. Ich lese auch viele Mangas, eigentlich alles an interessanten Comics was mir in die Hände fällt. Ein großer Roman-Leser bin ich dafür nicht, ich lese mich lieber querbeet furch alle möglichen Fach- und Sachbücher.

Was ist ihr absolutes Lieblingsbuch?
Die Manga-Reihe „Naru Taru“ zählt zu meinen absoluten Favoriten. Das habe ich zu einer Zeit gelesen als ich unschlüssig war, wie ich überhaupt Comics erzählen will, wo ich mir gar nicht mehr sicher war, ob das überhaupt mein Ding ist. Der Manga hat mich dann ziemlich umgehauen und mir gezeigt, welchen Weg ich gehen könnte. Heute würde mir die Geschichte vielleicht nicht mehr so viel geben, aber vor gut zehn Jahren war das genau der „Impact“ den ich brauchte.

Auf was dürfen Ihre Fans sich 2014 freuen?
Auf die Veröffentlichung von „Antoinette“ natürlich! Und darauf, dass auf meiner Facebook-Seite jeden Tag eine Illu von meinen dicken Katzen gepostet wird. Facebookseite „Dicke Katze – Cute Fat Cats“

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